Berlin deckt seinen Trinkwasserbedarf seit mehr als 160 Jahren überwiegend aus dem eigenen Grundwasser. Rund 60 % des Trinkwassers stammen aus Brunnen entlang der Havel und Spree, deren Wasser über Uferfiltration ins Grundwasser gelangt. Durch Bevölkerungswachstum, zunehmenden Wasserbedarf und die Effekte des Klimawandels – etwa sinkende Grundwasserstände während Trockenperioden – gerät dieses System zunehmend unter Druck (Senatsverwaltung Berlin, 2024). Zukünftig wird die Trinkwasserversorgung viele Fragen aufwerfen. Vermutlich werden wir unseren Beitrag zu weniger Verbrauch leisten müssen.

Laut einer Studie der TU Berlin im Auftrag des Umweltbundesamtes verbraucht jede Person in Deutschland täglich etwa 130 Liter Wasser direkt, jedoch rund 7.200 Liter pro Tag indirekt über Konsumgüter. Auf nationaler Ebene entspricht das 219 Milliarden m³ pro Jahr; davon stammen nur 14 % aus Deutschland selbst (UBA, 2024). Früher wurde ein größerer Anteil lokal verbraucht, die Industrie hat interessanterweise sogar erst für die große Spree gesorgt.

Der jahrzehntelange Braunkohleabbau in der Lausitz führte durch großräumige Entwässerung zu einem Defizit von etwa 8 km³ Grundwasser. Die Region muss über viele Jahre mit Wasser aus der Spree wieder aufgefüllt werden und hat sich von einer wichtigen Quelle zu einer Wassersenke entwickelt. Die entstehenden Tagebauseen erhöhen zusätzlich die Verdunstung. Diese Entnahme beeinträchtigt einen rund 230 km langen Spreeabschnitt ökologisch: Veränderungen in Fischbeständen, der Wirbellosenfauna, der Schwebstoffdynamik sowie im Sauerstoffhaushalt werden erwartet (Tetzlaff, 2022). Die Folgen zeigen sich auch in der Wasserqualität und werden sich am Wasserstand der Spree sogar noch in Berlin bemerkbar machen.

Die Wasserqualität der Spree hat sich in den letzten zehn Jahren nur geringfügig verbessert. Durch den Braunkohleabbau treten weiterhin erhöhte Sulfatkonzentrationen auf, während Schwermetalle vor allem aus urban-industriellen Quellen stammen. Die Nährstoffbelastung bleibt vielerorts über den Orientierungswerten für einen guten ökologischen Zustand (verschiedene Quellen, o. J.). Auch innerstädtische Prozesse beeinflussen diese Problematik direkt.

Regenwasser ist eine bislang unzureichend genutzte Ressource im urbanen Wasserhaushalt. Derzeit transportiert es immer noch oft ungefiltert Schadstoffe von Verkehrs- und Dachflächen in natürliche Gewässer oder ins Grundwasser. Bei Starkregen überlasten hohe Zulaufmengen die Kläranlagen, sodass es zu Mischwasserüberläufen kommt. Dabei gelangen ungeklärte Abwässer in Flüsse – mit erheblichen ökologischen Folgen bis hin zu Fischsterben (Spahr, 2024). Gerade außerhalb des S-Bahn Rings ist dieser Zustand ein massives Problem.

Der Rummelsburger See ist ein ehemaliger Spreearm im Berliner Osten. Auf einer Fläche von etwas über 45 ha mit 2,3 Metern mittlerer Tiefe zeigen sich einige der oben beschriebenen Aspekte ganz konkret. Vor allem das industrielle Erbe der DDR und die Einleitung großer Mengen ungefilterten Regenwassers bestimmen die teilweise prekäre ökologische Situation.

Der Gewässerboden ist großflächig von mächtigen Faulschlammschichten bedeckt (Wolter & Ripl, 1998; Werner, 2011). Seit der Sanierung 1999 ist die Bucht durch eine Spundwand weitgehend von der Spree getrennt; der Wasseraustausch erfolgt nur über eine schmale Öffnung.


– Carsten Riechelmann, Water Engineer

Egozentrisches und rücksichtsloses Verhalten gegenüber der Natur ist unschön und moralisch zu hinterfragen. Und man darf und sollte es kritisieren. Gleichzeitig sollte man aber eben nicht im Einzelnen die Verantwortung für systemische Fehler suchen. Nicht das eine Boot, nicht der eine große Geländewagen, leider eben all das nicht.